26.10.2016:

Haarbach am Nirmer Platz wurde renaturiert

Der Haarbach floß in Eilendorf-Nirm entlang des Nirmer Platzes in einem unansehnlichen und unnatürlichen Betonprofil. Durch eine Renaturierungsmaßnahme wurde das Gewässer nicht nur ökologisch aufgewertet, sondern präsentiert sich mitten im Ort jetzt auch in einem naturnahen Gewand.

Allgemeines zum Haarbach

Der unverrohrte Lauf des ca. 8 Kilometer langen Haarbaches beginnt in der Ortslage Driescher Hof, nahe der Autobahn A 44, im östlichen Aachener Stadtgebiet. Offen in nördlicher Richtung fließend, ist der Bach in der engen Ortslage von Eilendorf und Nirm abschnittsweise begradigt und auch verrohrt und dadurch in seiner strukturellen Vielfalt stark eingeschränkt.

Die Kläranlage Eilendorf sowie Anlagen mit Mischwasserüberlauf bzw. zur Beseitigung von Regenwasser leiten in den Haarbach ein und belasten die Wasserqualität. Der Haarbach mündet bei Haaren in die Wurm, vom Nirmer Platz aus ist dies eine Fließstrecke von noch ca. 2,2 Kilometern.

Bereits in der ersten Jahreshälfte 2015 wurde dem Haarbach auf der Höhe der Kläranlage Eilendorf ein natürliches Aussehen zurückgegeben. Dabei wurde auch ein Rückhalteraum im Falle einer erhöhten Wasserführung geschaffen.

Das Bauvorhaben

Der Haarbach war in dem Teilstück am Nirmer Platz in Eilendorf die ersten Meter mit beidseitigen Ufermauern aus Beton naturfern ausgebaut. Nach ca. 35 Metern gingen die Ufermauern in ein enges Trapezprofil mit einer Sohlbreite von ca. 2,50 Metern über. Die Gesamtlänge des Bachabschnittes betrug ca. 150 Meter. Zur naturnahen Gestaltung wurde die Grünfläche des Nirmer Platzes genutzt. Im Bereich der jetzigen Grünfläche wurde eine Auenfläche geschaffen.

Der Umbau des Gewässers dient maßgeblich hydromorphologischen Zwecken. Dies bedeutet, dass die Gewässerstruktur sowie das Abflussverhalten des Wassers wieder größerer Naturnähe zugeführt wurden. Damit verbunden erfolgte eine Wiederherstellung der Durchgängigkeit für Gewässerlebewesen durch Fortnahme oder Umgestaltung der Betoneinbauten. Gleichzeit wurde eine Gewässeraue wiederhergestellt und damit die Entwicklung der Aue als Lebensraum für Tiere und Pflanzen erneut möglich. Die Aue dient auch als zusätzlicher Retentionsraum und als natürliches Überschwemmungsgebiet.

Durch die Wiederherstellung des ursprünglich gewundenen Verlaufs des Haarbaches sollen eigendynamische Entwicklungen forciert und damit ökologische Verbesserungen in Gang gesetzt werden. Das neue Gerinne des Haarbaches wurde nur grob vormodelliert; alle weiteren Ausformungen und Geschiebeverlagerungen werden eigendynamisch erfolgen.

Als Sicherungsmaßnahme gegen unerwünschte Ausspülungen im Bereich der Böschungen wurden in Teilbereichen Steinmatratzen eingebaut. Insgesamt wurde auch das städtebauliche Bild des Nirmer Platzes durch den Einbau von Ruhe- und Verweilzonen weiter gesteigert.

Der Haarbach als „Trittstein“

Das Projekt ist Bestandteil der Maßnahmen zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die die Erreichung eines „guten Zustands“ der Gewässer vorsieht. Da angesichts unabweisbarer menschlicher Nutzungen und umgebender Bebauungen eine durchgängige Gesamtrenaturierung der Gewässer nicht möglich ist, hat sich das Land NRW im Programm Lebendige Gewässer die Tatsache zunutze gemacht, dass größere natürliche bzw. naturnahe umgestaltete Gewässerabschnitte eine positiv strahlende Auswirkung in den Ober- und vor allen Dingen in den Unterlauf haben („Strahlursprünge“). Kleinere Abschnitte werden in diesem Zusammenhang „Trittsteine“ genannt. Der Haarbach am Nirmer Platz bildet nach der Umgestaltung einen solchen Trittstein.

Bauzeit und Kosten

Die reine Bauzeit betrug ca. drei Monate.

Die reinen Baukosten beliefen sich auf ca. 350.000 Euro brutto. Die Steigerung zu den ursprünglich veranschlagten Kosten von 290.000 Euro erklärt sich durch erforderliche Zusatzleistungen: Bei einem Teil der Bodenmassen zeigte sich eine unerwartete Bleibelastung, sodass diese auf eine Sonderdeponie verbracht werden mussten. In einer Bodenlinse um ein altes Sonderbauwerk - eine nicht weiter bekannte alte ehemalige Einleitstelle - hatte sich die Belastung gebildet. Außerdem wurde an der angrenzenden Straße zum Haarbach zur Verkehrssicherung ein neues Geländer angebracht. Ebenso musste an einer Stelle des Baches ein besonderes Schottermaterial eingebracht und mit Spezialkleber verklebt werden. An dieser Stelle quert der Hauptsammler zur Kläranlage Eilendorf den Bachlauf; so wurde seine Decke besonders geschützt. Ebenso hatten sich die Trogwände der ehemaligen Gewässerbettführung als dicker erwiesen als ursprünglich vermutet. Dadurch wurden zusätzliche Betonschnittarbeiten erforderlich.

Im Herbst / Winter erfolgen nun noch Bepflanzungsarbeiten.

Die Gesamtkosten der Maßnahme mit allen zusätzlich erforderlichen Leistungen lagen bei 450.000 Euro. Die Maßnahme wird vom Land NRW zu 80 % bezuschusst.

20161026 Haarbach am Nirmer Platz 01

Von links: Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Firk, Vorstand des WVER, Paul Larue, Verbandsratsvorsitzender des WVEr, und Elke Eschweiler, Bezirksbürgermeisterin von Eilendorf, pflanzen einen Baum am umgestalteten Nirmer Platz.

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Der renaturierte Haarbach am Nirmer Platz in Eilendorf.