21.01.2016:

Der Haarbach am Nirmer Platz wird renaturiert

Der Haarbach fließt in Eilendorf-Nirm entlang des Nirmer Platzes in einem unansehnlichen und unnatürlichen Betonprofil. Durch eine Renaturierungsmaßnahme wird das Gewässer nicht nur ökologisch aufgewertet, sondern präsentiert sich mitten im Ort auch in einem naturnahen Gewand.

Allgemeines zum Haarbach

Der unverrohrte Lauf des ca. 8 Kilometer langen Haarbaches beginnt in der Ortslage Driescher Hof, nahe der Autobahn A 44, im östlichen Aachener Stadtgebiet. Offen in nördlicher Richtung fließend, ist der Bach in der engen Ortslage von Eilendorf und Nirm abschnittsweise begradigt und auch verrohrt und dadurch in seiner strukturellen Vielfalt stark eingeschränkt.

Die Kläranlage Eilendorf sowie Anlagen mit Mischwasserüberlauf bzw. zur Beseitigung von Regenwasser leiten in den Haarbach ein und belasten die Wasserqualität. Der Haarbach mündet bei Haaren in die Wurm, vom Nirmer Platz aus ist dies eine Fließstrecke von noch ca. 2,2 Kilometern.

Bereits in der ersten Jahreshälfte 2015 wurde dem Haarbach auf der Höhe der Kläranlage Eilendorf ein natürliches Aussehen zurückgegeben. Dabei wurde auch ein Rückhalteraum im Falle einer erhöhten Wasserführung geschaffen.

Das Bauvorhaben

Der Haarbach ist in dem Teilstück am Nirmer Platz in Eilendorf die ersten Meter mit beidseitigen Ufermauern aus Beton naturfern ausgebaut. Nach ca. 35 Metern gehen die Ufermauern in ein enges Trapezprofil mit einer Sohlbreite von ca. 2,50 Metern über. Die Gesamtlänge des Bachabschnittes beträgt ca. 150 Meter. Zur naturnahen Gestaltung wird die Grünfläche des Nirmer Platzes genutzt. Im Bereich der jetzigen Grünfläche wird eine Auenfläche geschaffen.

Der Umbau des Gewässers dient maßgeblich hydromorphologischen Zwecken. Dies bedeutet, dass die Gewässerstruktur sowie das Abflussverhalten des Wassers wieder größerer Naturnähe zugeführt werden. Damit verbunden erfolgt eine Wiederherstellung der Durchgängigkeit für Gewässerlebewesen durch Fortnahme oder Umgestaltung der Betoneinbauten. Gleichzeit wird eine Gewässeraue wiederhergestellt und damit die Entwicklung der Aue als Lebensraum für Tiere und Pflanzen erneut möglich. Die Aue dient auch als zusätzlicher Retentionsraum und als natürliches Überschwemmungsgebiet.

Durch die Wiederherstellung des ursprünglich gewundenen Verlaufs des Haarbaches sollen eigendynamische Entwicklungen forciert und damit ökologische Verbesserungen in Gang gesetzt werden. Das neue Gerinne des Haarbaches wird nur grob vormodelliert; alle weiteren Ausformungen und Geschiebeverlagerungen werden eigendynamisch erfolgen.

Als Sicherungsmaßnahme gegen unerwünschte Ausspülungen im Bereich der Böschungen werden in Teilbereichen Steinmatratzen eingebaut. Insgesamt soll auch das städtebauliche Bild des Nirmer Platzes durch den Einbau von Ruhe- und Verweilzonen weiter gesteigert werden.

Der Haarbach als „Trittstein“

Das Projekt ist Bestandteil der Maßnahmen zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die die Erreichung eines „guten Zustands“ der Gewässer vorsieht. Da angesichts unabweisbarer menschlicher Nutzungen und umgebender Bebauungen eine durchgängige Gesamtrenaturierung der Gewässer nicht möglich ist, hat sich das Land NRW im Programm Lebendige Gewässer die Tatsache zunutze gemacht, dass größere natürliche bzw. naturnahe umgestaltete Gewässerabschnitte eine positiv strahlende Auswirkung in den Ober- und vor allen Dingen in den Unterlauf haben („Strahlursprünge“). Kleinere Abschnitte werden in diesem Zusammenhang „Trittsteine“ genannt. Der Haarbach am Nirmer Platz wird nach der Umgestaltung einen solchen Trittstein bilden.

Bauzeit und Kosten

Die Bauzeit wird ca. drei Monate betragen. Die reinen Baukosten werden mit ca. 290.000 Euro brutto veranschlagt. Die Gesamtkosten der Maßnahme mit allen zusätzlich erforderlichen Leistungen liegen bei 390.000 Euro. Die Maßnahme wird vom Land NRW zu 80 % bezuschusst.

Übersichtskarte zum Plangebiet

Plan der Renaturierungmaßnahme

20160121 Renaturierung Haarbach Nirmer Platz

Spatenstich am 21.01.2016 zur Renaturierung des Haarbachs am Nirmer Platz: v. l. Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Firk, Vorstand des Wasserverbands Eifel-Rur, Elke Eschweiler, Bezirksbürgermeisterin von Eilendorf, Paul Larue, WVER-Verbandsratsvorsitzender und Bürgermeister der Stadt Düren, Rolf Schäfer, stellv. Bezirksbürgermeister von Eilendorf, Hildegard Pitz, Mitglied der Bezirksvertretung Eilendorf und Delegierte der WVER-Verbandsversammlung