23.10.2017:

Richtfest der Ozonungsanlage auf der Kläranlage Soers

Der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) baut auf der Kläranlage Aachen-Soers eine zusätzliche Reinigungsstufe, um so genannte Spurenstoffe aus dem Abwasser zu eliminieren. Dazu wird eine Ozonungsanlage in die bestehende Abwasserreinigung eingefügt werden. Am heutigen Montag fand zur Fertigstellung des Rohbaus das Richtfest statt.

Spurenstoffe im Abwasser

Jeder Mensch nutzt im Alltag eine Vielzahl von chemischer Substanzen, so etwa in Medikamenten oder Haushaltschemikalien. Hinzu kommen aber auch Stoffe wie Industriechemikalien und Pestizide. Diese gelangen über die Kanalisation in Kläranlagen und können dort nur zum Teil abgebaut werden. Oft kommen diese Stoffe nur in kleinsten Konzentrationen (Spurenbereich) vor und sind erst mit modernen Messmethoden überhaupt erfassbar. Um diese „Spurenstoffe“ aus dem Abwasser zu entfernen, wurden in den letzten Jahren verschiedene Verfahren erprobt, von denen sich vor allen Dingen die Behandlung des Abwassers mit Aktivkohle oder mit Ozon bewährt hat.

Großtechnische Ozonungsanlage auf der Kläranlage Soers

Der WVER wird zukünftig im Rahmen seines vom Land NRW hoch geförderten Projektes „DemO3AC“ (Demonstrationsvorhaben Ozonung des Abwassers auf der Kläranlage Aachen-Soers) den kompletten Abwasserstrom der Großkläranlage einer Behandlung in einer großtechnischen Ozonungsanlage unterziehen. Sie wird die größte ihrer Art in der Europäischen Union sein. Dabei will der Verband untersuchen, ob eine Reduzierung der menschengemachten (anthropogenen) Gewässerbelastung sich positiv auf das aquatische Leben, die so genannte Biozönose, auswirkt, und ob sich die Gewässerqualität messbar verbessert. Das Ozon ist in der Lage, die meisten im Abwasser befindlichen Spurenstoffe zu entfernen. Die Kläranlage Soers bietet sich für die Errichtung einer Ozonungsanlage an, weil ihr Ablauf einen hohen Anteil der Wasserführung der Wurm ausmacht, bei Trockenwetter bis zu 70 %. Durch diesen hohen Anteil sollte sich zeigen, ob und inwieweit die Entfernung von Spurenstoffen durch eine Ozonungsanlage den Gewässerzustand verbessert. Zur Evaluierung möglicher Effekte wird der durch den Eintrag aus der Kläranlage belastete Fluss in multidisziplinärer Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen sowohl bereits geraume Zeit vor als auch nach Inbetriebnahme der Ozonung überwacht. Neben der Messung von Spurenstoffen und Standardparametern zur Feststellung der Gewässerbeschaffenheit wurden und werden umfassende biologische Testverfahren an ein- und mehrzelligen Lebewesen durchgeführt, um mögliche Wirkungen zu erkennen. Ein weiteres Ziel des Großversuchs ist es, zusammen mit den Erkenntnissen aus einer bisher bereits beim Verband eingesetzten, kleineren Versuchsanlagen die Errichtung von Ozonungsanlagen auf kommunalen Kläranlagen optimal bemessen zu können, sollte dieses Verfahren letztendlich zum Einsatz kommen. Dem Projekt kommt damit eine hohe fachtechnische Bedeutung und hohe internationale Aufmerksamkeit zu.

Technische Daten des Rohbaus

Die Ozonungsanlage wird in der Regel den so genannten Trockenwetterabfluss von bis zu 1.200 l/sec behandeln. Damit sind 95 % aller tatsächlichen Zuflüsse abgedeckt. Die maximal mögliche Wassermenge, die in der Anlage behandelt werden kann, liegt bei einem Zufluss von ca. 3.000 l/sec, was der maximal möglichen Aufnahmekapazität der Kläranlage etwa bei Niederschlagsereignissen entspricht.
Pro Jahr werden in der Ozonungsanlage ca. 25 Mio. m³ Abwasser behandelt.

Zur Bereitstellung des notwendigen Ozons erzeugen drei Ozongeneratoren maximal 34 kg Ozon in der Stunde. Das Abwasser strömt in zwei Becken mit einem Volumen von je 1.080 m³ und einer Breite von 10 m, einer Länge von 20 m und einer Höhe von 6 m. Das Ozon wird von unten über jeweils 55 tellerförmige Keramik-Belüfter mit dem Abwasser in Kontakt gebracht und reagiert mit den Spurenstoffen. Zur Anlage gehört auch eine Restozonvernichtung, mit der verhindert wird, dass (giftiges) Ozon in die Luft gelangt. Ebenso wird der Ablauf der Ozonungsanlage fortlaufend überwacht, um sicherzustellen dass kein gelöstes Ozon mehr im ablaufenden Abwasserstrom verbleibt.
Zur Gewinnung des Ozons steht ein Sauerstofftank mit 50 t reinem Sauerstoff (O2) zur Verfügung, der dann unter Zuhilfenahme von elektrischer Energie in Ozon (O3) umgewandelt wird.

Bauverlauf

Der Bau der Anlage begann im März 2017, innerhalb von nur sieben Monaten konnte der Rohbau hochgezogen werden. Dazu wurden ca. 10.000 m³ Erdmassen ausgehoben und 5.000 m³ Beton sowie 800 t Baustahl verbaut.
Bis zum Beginn des Probebetriebs im Dezember 2017 werden die weiteren technischen Installationen vorgenommen. Der Beginn des Regelbetriebs der Anlage ist für März 2018 vorgesehen.

Kosten der Anlage

Die gesamten Baukosten belaufen sich auf ca. 12 Mio. €; davon werden 70 % durch die NRW-Bank über das Land Nordrhein-Westfalen als Förderzuschuss getragen.

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Bau der Ozonungsanlage auf der Kläranlage Aachen Soers

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WVER-Vorstand Dr.-Ing. Joachim Reichert (l.) und Gewässerdezernent Thomas Rolfs begrüßen die Gäste zum Rohbau und stellen die Maßnahme vor.

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Gäste beim Richtfest der Ozonungsanlage

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Der Zimmermann verliest den Richtspruch und erhebt das Glas auf den Bauherrn, die Baufirma und den Architekten.