Die urfttalsperre

Bau und Funktionsweise der

Urfttal­sperre

Das gewaltige Bauwerk wurde seinerzeit von Prof. Dr. Otto Intze als größte Talsperre in Europa geplant, berechnet und in der Zeit von 1900 bis 1905 verwirklicht. Hiermit begann für die Industrie, die Landwirtschaft und die Wasserversorgung in der Eifel ein neues Zeitalter. Die Unwägbarkeiten der manchmal so harmlos fließenden Urft konnten durch die Talsperre ausgeglichen werden.
Von 1995 bis 1999 erfolgte eine Anpassung der Staumauer an die allgemein anerkannten Regeln der Technik, die im Kernstück das Auffahren eines Kontrollgangsystems im Mauerinneren zur Überprüfung der Mauer und des Untergrundes beinhaltet. Der untere Kontrollgang verläuft über seine gesamte Länge im Bereich der Gründungsfuge und erschließt somit Mauerwerk und
Felsbereich. 

Auf Grundlage eines Finite-Elemente-Systems wurde die Machbarkeit des Einsatzes eines schonenden Sprengverfahrens nachgewiesen und unter Aufrechterhaltung des Betriebes der Urfttalsperre umgesetzt. Um Langzeitmessungen zur weiteren Beobachtung durchführen zu können, wurde ein neues Messsystem in Betrieb genommen. In insgesamt zwölf Messquerschnitten werden Temperatur-, Porenwasserdruck-, Extensometer-, Pendellot- und Schwimmlotmessungen zum Bauwerksmonitoring durchgeführt.

Die Talsperre hat die Aufgabe Hochwässer sowie Trockenperioden auszugleichen. Mit dem Jugendstilkraftwerk Heimbach wird regenerative Energie erzeugt. 

Bauphasen

Mit dem Bau der Urfttalsperre in den Jahren 1900 bis 1904 wurde das seinerzeit größte Talsperrenprojekt Europas verwirklicht. Der Grundsteinlegung am 29.07.1901 waren umfangreiche Vorbereitungsarbeiten vorausgegangen. Diese Arbeiten begannen bereits im September 1899 mit dem Bau einer 12 km langen Arbeitsbahn vom Bahnhof Gemünd und den für den Bau der Talsperre angelegten Steinbrüchen zur Baustelle. Außerdem wurde die Gründungsfläche freigelegt und der Mauerfuß in seinen Grundabmessungen bereits auf fast 3 m Höhe erstellt.

  • 45,51 Mio. m³ Stauraum (Vollstau)
  • Gebogene Gewichtsstaumauer mit wasserseitiger Erdvorschüttung bis etwa zur halben Staumauerhöhe (sog. Intze-Keil)
Urftskizze

Allgemeine Angaben

Lage der Sperrstelle: Im Tal der Urft, 14 km unterhalb der  Stadt Schleiden (Kreis Euskirchen)

Zweck und Aufgaben der Anlage:

Hochwasserschutz
Niedrigwasseraufhöhung
Energieerzeugung

Bauherr: Ehem. Rurtalsperren-GmbH in Aachen

Bauzeit: 1900-1905

Reparatur der Kriegsschäden: 1945-1950

Hydrologie

Flussgebiet / Gewässer: Urft / Rur / Maas

Größe des Talsperren­einzugs­gebietes: 372,6 km² km²

Mittlere jährliche Zuflusssumme: 157,4 Mio. m³

Mittlere jährliche Niederschlagshöhe im Einzugsgebiet: 901 mm

Mittlere jährliche Abflusshöhe im Einzugsgebiet: 422 mm

Mittlere Abflussspende: 13,4 l/s*km²

Niedrigste / Höchste Abflussspende: 0,8 / 303,3 l/s*km²

(Anmerkung: hydrologische Angaben basieren auf den Daten von 1961 bis 2016)

Speicherbecken

Vollstau: 322,50 mNN 

Höchstes Stauziel: 323,77 mNN (BHQ )

Maximale Stauhöhe: 54,50 m

Stauraum (Vollstau): 45,51 Mio. m³

Hochwasserrückhalteraum min. / max.: min.:

min.: (Mai-Sept.) 3 Mio. m³
max.: (Dez.-Jan.) 20 Mio. m³

Ausbaugrad: 29 %

Stauseefläche (Vollstau): 2,16 km²

Länge des Speicherbeckens: 12 km

Absperrbauwerk

Typ: Gebogene Gewichts­staumauer mit  wasserseitiger Erdvor­schüttung bis  etwa zur halben Staumauerhöhe  (sog. Intze-Keil)

Baustoffe: Bruchsteine aus Grauwacke und Schiefer in Kalk-Sand-Trassmörtel

Kronenhöhe: 324,00 mNN

Kronenbreite: 6,63 m

Kronenlänge: 226,00 m

Größte Höhe über Gründungssohle: 58,00 m

Größte Breite in der Gründungssohle: 50,50 m

Mauerkubatur: 135.000 m³

Anschluss an den Untergrund: Mauersohle auf Fels gegründet

Betriebseinrichtungen

Hochwasser­entlastung:
HHQ = 220 m³/s Einlaufbauwerk bestehend aus einem  festen Überfallwehr mit 91 m Breite  und anschließender Schussrinne mit  Kaskaden­überfall

Grund- und Betriebsauslass:
2 Grundablass­stollen in der  Staumauer (DN 600)  1 Hauptentlastungsstollen unter dem  Kaskadenhang (DN 1000)

Kraftwerks­stollen zum Jugendstil­kraftwerk Heimbach:
A = 7 m², L = 2,7 km, anschließend
2 Druckrohre DN 1500, L = 190 m

Höhenangaben NHN-Höhe = NN-Höhe + 0,032 m

Wasserkraftnutzung:
2 Francisturbinen mit 16 MW  installierter Leistung und einer  Jahresenergie­erzeugung von 26 GWh

Impressionen von der

Urfttalsperre