Wasser­speicher und Hochwasser­schutz

Das Wasserdargebot der Rur ist über das Jahr ungleichmäßig verteilt: Zum einen nehmen die Böden der Nordeifel das vorhandene Wasser schlecht auf, zum anderen sorgen Starkniederschläge und Trockenperioden für unregelmäßige Wasserstände. In extremen Trockenzeiten können insbesondere kleine Gewässer sogar „trockenfallen“ – also gar kein Wasser mehr führen. In der Vergangenheit waren Hochwasser und Wassermangel für die Menschen im Einzugsbereich der Gewässer die existenzbedrohende Folge.

Ende des 19. Jahrhunderts begann man in Europa mit dem Bau von Talsperren. Pionier in Deutschland war der bekannte Hochschulprofessor und Bauingenieur Otto Intze, der über 40 Talsperren nach dem sogenannten Intze-Prinzip konstruierte und baute.

Die 1905 in Betrieb genommene Urfttalsperre, zu dieser Zeit die größte Talsperre Europas, wurde nach dem Intze-Prinzip errichtet und stellte den ersten Baustein im späteren Rurtalsperrensystem dar.

Für den Bau und den heutigen Betrieb der Talsperren sind nach wie vor folgende Aufgaben maßgeblich:

Mit der Zeit wurden die entstandenen Stauseen auch zum beliebten Orten der Naherholung, Treffpunkte für Wanderer sowie Wassersportler.

Mit der Zeit wurden die entstandenen Stauseen auch zum beliebten Orten der Naherholung, Treffpunkte für Wanderer sowie Wassersportler. Damit entwickelten sich zu „Motoren“ der touristischen Entwicklung der Region.

Betrieb und Bewirtschaftung

Hinter dem reibungslosen Betrieb unseres Talsperren-Systems stecken komplexe Berechnungen: Unsere Talsperren-Bewirtschaftung fußt auf einem umfassenden Daten-Archiv. Die täglichen Abfluss-Mengen der letzten 115 Jahre dienen als Berechnungsgrundlage bei der Entwicklung unseres Regelstrategie zur Steuerung des Talsperren-Systems. Mit Hilfe numerischer Modelle können wir die verschiedenen Varianten der Talsperren-Steuerung simulieren und so die optimale Balance bei konkurrierenden Nutzungsansprüche ermitteln: So schließen sich Hochwasserschutz und eine gleichzeitige Nutzung der Talsperre zur Wasserbevorratung nicht aus. Ideale Faktoren für die Bewirtschaftung an der Rur sind eine gleichmäßige Mindestabgabe von 5 Kubikmetern Wasser pro Sekunde, sowie im Hochwasserfall eine Einhaltung der Obergrenze von 60 Kubikmetern in der Sekunde.

Optimale Balance – ein Gewinn für alle

Unser zentraler Speicher im Talsperren-System ist die Rurtalsperre – sie darf, gemäß unseren statistischen Berechnungen, nur seltener als einmal in 100 Jahren Wasser über die Hochwasser­entlastungs­anlage abführen oder sich komplett entleeren. Doch wie legen wir unser jeweiliges Stauziel in den Talsperren fest? Und wie können wir es halten? Unsere Modelle müssen Entscheidungen für die Zukunft möglich machen, auch wenn extreme Trockenperioden, gar über mehrere Jahre, oder eine Serie von Hochwasser­ereignissen nicht vorhersagbar sind. Das halbe Speichervolumen einer Talsperre kurzerhand als Stauziel zu definieren, wäre zu kurz gegriffen – mit dieser geringen Wassermenge wäre zwar der Hochwasserschutz ein Leichtes, aber mehrmonatige oder gar mehrjährige Trockenphasen wären so nicht zu überstehen. Hier greifen also wieder die oben genannten, berechneten Werte.

Vor diesem Hintergrund ist leicht zu erkennen: zeitweise niedrige Staumengen in Trockenzeiten sind ebenso wenig ein Bewirtschaftungs­fehler unsererseits, wie die seltenen Hochwasser­abgaben aus dem Talsperren-System. Letztere werden oft erst zum Problem für Anrainer, wenn auch andere, nicht steuerbare Hochwasser­abflüsse aus den Nebengewässern entlang der Rur auftreten. Im Gegenteil, die Talsperren federn Hochwasserspitzen für die Menschen entlang der Rur zu circa 50 Prozent ab und bewahren sie so vor größerem Schaden.

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Aktuelle
Wasserpegel

Hier können Sie die aktuellen Pegelstände abrufen.

Hochwasser vorbeugen

Mehr Hochwasser­resilienz an Inde und Vicht

In einem Zeitraum von sechs Monaten stellte ein Expertenteam nach der Hochwasser­katastrophe 2021 einen Maßnahmen-Masterplan zusammen. Mittlerweile umfasst dieser über 200 Einzelmaßnahmen, die in 63 Projekte gebündelt wurden. Sie verbinden bewährte Strategien und sind einsehbar auf der Projektseite: